Causal Loop Relationships

Prof. Sverdrup war einer der ersten Wissenschaftler, welche sich mittels Causal Loop Diagrams (CLDs) der Komplexität von Autoimmunkrankheiten gewidmet hat. Er wollte es nicht hinnehmen, dass sein Sohn – ein Multiple Sklerose (MS) Patient – seinem Schicksal ausgesetzt ist. Nach mehreren Jahren Forschung ist es ihm gelungen die Grundursachen für MS zu definieren und eine integrative Behandlungsstrategie zu entwickeln, welche bei über 90% der MS Patienten erfolgreich war. Obwohl er in seinem Buch aus dem Jahre 2012 die Einnahme von Antibiotika empfiehlt, ist der Kern seiner Aussagen, dass eine Gluten und Kaseinfreie prophylaktische und gesunde Ernährungsweise, als auch das vermeiden von Umweltchemikalien MS heilen kann.

Unsere Vorgehensweise ist dieselbe – nur etwas simplifizierter, damit es für Jedermann verständlich ist. Uns ist wichtig, dass Du verstehst, warum gewisse Symptome auftreten und was die Trigger dafür sind. Wie bereits in der Ursachen-Sektion erläutert, sind die Hauptursachen für die Darmpermeabilität die Ernährung, Antibiotika, Stress, Chemikalien, und Candida (welche jedoch auch ein Symptom sein kann). Die folgende Grafik zeigt die kausalen Zusammenhänge zwischen Ursachen (in rot) und dem Entstehen des Leaky Gut Syndroms.

Was wir sehen ist, dass die westliche Diät, welche einen hohen Anteil von (schlechten; Omega-6 haltigen) Fetten und Kohlenhydraten hat, nicht gut ist für das Darmbakterienkonsortium. Desweiteren setzt Gliadin, welcher ein Glutenbestandteil im Weizen ist, im Verdauungstrakt Zolunin frei. Gliadin und Zolunin können zu Entzündungen der Darmschleimhaut und somit gleichzeitig zur Rückbildung der im Darm befindlichen Zotten führen. Die Ursachen der verschiedenen Trigger sind im CLD dargestellt. Das CLD ist aus Verständnisgründen simple gehalten; tiefere Einblicke in die Biochemie des Körpers sind nicht notwendig um die Kausalitäten nachvollziehen zu können. Was auffällt ist, dass das Leaky Gut Syndrom große Auswirkungen auf unsere Psyche hat, was auch unser Seitenlogo erklärt. Viele Menschen mit Leaky Gut sind ängstlich und haben Depressionen. Die Ursachen hierfür sind oft indirekt, in dem illustrierten Wirkungsgefüge jedoch klar zu erkennen.

Im CLD nicht enthalten sind Autoimmunerkrankungen. Letztere sind meisten eine Auswirkung des Leaky Gut Syndroms, jedoch ist es schwer die Ursachen für alle Autoimmunerkrankungen zu pauschalisieren. Ein Beispiel ist Vitiligo – auch Weißfleckenkrankheit genannt. Menschen mit Vitiligo ziehen sich sozial oft zurück und leiden an Depressionen. Vitiligo ist eine Autoimmunerkrankung bei welcher das Immunsystem die körpereigenen Melaninzellen angreift und zerstört. Vitiligo tritt oft zusammen mit Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) auf. Eine Ursache für Vitiligo ist oxidativer Stress (was der Grund dafür ist, dass man um Vitiligo auszukurieren zusammen mit der Leaky Gut Diät viele Antioxidantien zu sich nehmen soll). Vitiligo ist oft auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen, welche mit Verdauungsstörungen einhergeht.

Ernährung

Die Hauptursache für einen Leaky Gut ist deine Ernährung. Es gibt sehr viele Faktoren, welche die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut beeinflussen. Die sechs Hauptursachen, welche wir hier besprechen werden sind:

  • Allgemeine Ernährung und deren Auswirkung auf die Permeabilität und bakterielle Zusammensetzung des Darms.

  • Gluten – und die Rolle des Gliadins auf deinen Körper.

  • Essenzielle Fettsäuren – und die Importanz eines guten Omega-3 zu Omega-6 Verhältnisses.

  • Alkohol – und inwiefern dieser zur Durchlässigkeit der Darmschleimhaut beiträgt.

  • Zucker – und die Probleme die beim übermäßigen Konsum auftreten.

  • Kasein – und dessen Wirkung auf den Metabolismus und mögliche molekulare Mimikry.

Allgemeine Ernährung

Der Homo sapiens entstand vor circa 200-300.000 Jahren in Ostafrika und ernährte sich vor allem von Pflanzen (Gemüse, Beeren, Früchte, etc.) und Fleisch. Homo sapiens bedeutet soviel wie “kluger Mensch” – was paradoxerweise aber nicht auf das Ernährungsmuster zutrifft. Obwohl sich unser Stoffwechsel hunderttausende Jahre an die Ernährung angepasst hat, hat sich die menschliche Ernährung in den letzten hunderten Jahren drastisch verändert. Anstatt viel Gemüse, Fleisch, und Fisch zu konsumieren, werden jetzt primär verarbeitete Lebensmittel in Supermärkten gekauft.

Dieser Ernährungswechsel innerhalb kürzester Zeit beeinträchtigt das Mikrobiom in unserem Verdauungstrakt nachhaltig. Inwiefern dies der Fall ist, zeigt Dir die folgende Grafik. Dieses CLD (Causal Loop Diagramm) stellt den kausalen Zusammenhang zwischen “westlicher Diät” und “ursprünglicher Diät” auf den Permeabilität der Darmschleimhaut dar.

ernährung leaky gut

Firmicutes und Bacteroidetes sind die zwei größten Bakteriengruppen und machen ca. 90% der Darmpopulation aus. Die Ratio dieser beiden Gruppen hat einen großen Einfluss auf das Entzündungsniveau und die des Leaky Guts. Wie oben im CLD zu sehen wird ein höheres Verhältnis von Firmicutes zu Bacteroidetes durch die zunehmende intestinale Permeabilität („Leaky Gut“) mit erhöhten Entzündungen und Fettleibigkeit in Verbindung gebracht. Dies liegt daran, weil Firmicutes darauf spezialisiert sind den Lebensmittel Kalorien zu entziehen, wohingegen Bacteriodetes komplexe Planzenstärke und Ballaststoffe in kurzkettige Fettsäuren aufspalten.

Gluten

Ein weiteres Problem stellt Gluten – ein Hauptbestandteil unserer westlichen Ernährung – dar. In einer Studie von 2011 zeigt Dr. Alessio Fasano, dass die Substanz Zonulin die Tight Junctions im Darm kontrolliert. Das Protein Zolunin signalisiert den Tight Junctions demnach sich zu öffnen oder zu schließen. Nach aktuellem Kenntnisstand können sowohl Bakterien als auch Gluten die Freisetzung von Zonulin auslösen. Sobald es also zu einer Entzündung im Dünndarm kommt, wird in Erwiderung dazu Zonulin abgesondert, welches die Tight Junctions öffnet. Was damals ein Mechanismus dafür war, um Bakterien wie Salmonellen auszuschwemmen, führt heutzutage aufgrund der zunehmenden Zonulin-Trigger dazu, dass der Dünndarm zunehmend durchlässig ist. Dies führt zu eine Reaktion des Immunsystems, was wiederum dazu führt, dass unser Körper chronisch entzündet ist. Und Entzündungen führen wiederum zu einer Zonulinausschüttung – ein echter Teufelskreis.

Schaut man sich die Ernährungspyramide an, fällt einem auf, dass einem empfohlen wird zu fast jeder Mahlzeit glutenhaltige Produkte zu sich zu nehmen. Auch die meisten verarbeiteten Lebensmittel enthalten Gluten (meist in Form von Weizenmehl). Dieser zunehmende Konsum von Gluten schafft die Bedingungen für eine konstante Ausschüttung von Zonulin.

Zucker

Industriezucker ist ein Gift und mit das Schädlichste was du konsumieren kannst, und hat ein ähnliches Suchtpotenzial wie Kokain. Leider findet man Zucker in fast in allen verarbeiteten Lebensmitteln- Das CLD unter diesem Absatz zeigt den Einfluss von Zucker auf unser Immunsystem und die Dysbiose (also das mikrobielle Missverhältnis im Darm). Der Konsum von Zucker hat direkten Einfluss auf die Insulinproduktion, den Blutzuckerspiegel, eventuelle Pilzinfektionen, und die bakterielle Zusammensetzung im Dünndarm. All diese Faktoren haben – wie dargestellt – weitere Auswirkungen auf deinen Körper. Ausgenommen hiervon ist Honig, welcher eine ganze Reihe von Antioxidantien und anderen essentiellen Nährstoffen beinhaltet. Zudem kann Honig aus deiner Region eine antiallergene Wirkung haben. Aber auch von Honig sollte man nicht zuviel essen (i.e. maximal 20g pro Tag); und wenn man eine Anti-Candida Kur folgt gar nicht.

leaky gut zucker

Alkohol

Auch Alkohol wirkt wie Zucker in unserem Körper und führt zu Entzündungen. Zudem kann Alkohol Angststörungen intensivieren. Zudem ist lang bekannt, dass Alkohol die Durchlässigkeit der Darmwand erhöhen kann.

Essenzielle Fettsäuren

Die Omega-6 zu Omega-3 Fettsäurenratio der Ernährung des Menschens in den letzten zehntausenden Jahren war ziemlich ausgeglichen. Wobei Omega-3 Fettsäuren entzündungshemmend wirken, sind Omega-6 Fettsäuren in hohem Maße entzündungsfördernd. Bei der in den Industrieländern vorherrschenden Ernährungsweise liegt die Omega-6 zu Omega-3 Ratio bei rund 15:1. Dies liegt vor allem an dem hohen Konsum an Fertiglebensmitteln, welche oft Omega-6-reiche Mais- und Sonnenblumenöle enthalten.

omega3 leaky gut

Kasein

Abgesehen von den Hormonen, Steroiden, und Medikamentenrückständen in der Kuhmilch, ist das Hauptproblem des Milchkonsums das Protein A1 und A2 β-Kasein. Die Metabolisierung dieser Proteine gibt β-Casomorphine ab, welches wiederum zu einer Histaminfreisetzung (ein Botenstoff in der Entzündungsreaktion) führt. Desweiteren können β-Casomorphine laut jüngsten Studien Ursache für einen Antioxidantienmangel im Gehirn sein, welches wiederum ein Risikofaktor für Autismus ist.

Wie bereits erwähnt, ist Leaky Gut die Ursache für viele Autoimmunerkrankungen. Menschen mit einer Schilddrüsenfunktionsstörung sollten aus einem weiteren Grund den Verzehr von β-Kasein meiden: molekulare Mimikry. Jedes mal wenn der Körper einem Virus oder Erreger ausgesetzt ist, merkt sich das Immunsystem deren Struktur. Leidergottes ähnelt das Gewebe der Schilddrüse den Strukturen von – richtig – Gluten und β-Kasein. Dies nennt man auch eine Kreuzreaktivität, in der das Immunsystem jedes mal wenn Gluten- und Kaseinproteine in deinen Blutkreislauf durch den Leaky Gut eintreten, auch deine Schilddrüse angreift.

Die gute Nachricht ist, dass du weiterhin Ziegen oder Schafsmilchprodukte konsumieren darfst. Weitere gesunde Optionen sind Kokosmilch- oder Mandelmilchprodukte. Sojaprodukte sollten jedoch vermieden werden.

Antibiotika

Die zunehmende Verschreibung von Antibiotika in Form von Medikamenten als auch deren Verwendung in der Viehzucht stellt ein schwerwiegendes Problem dar. Antibiotika reduzieren nämlich nicht nur die schlechten, sondern auch die guten Bakterien in deinem Körper und besonders im Darm. Zunehmende Hygiene durch überproportionales Nutzen von Desinfektionsmitteln und chemische Reiniger dezimieren unsere Mikrooganismenvielfalt zusätzlich. Dies führt zu einem Ungleichgewicht in unserer Darmflora, welches es einer großen Anzahl von Bakterien möglich macht in unserem Darm anzusiedeln, welche wiederum die Zoluninausschüttung bedingen.

Candida

Auch Candida albicans kann eine Ursache für Leaky Gut sein. Candida ist ein Hefepilz, welcher sich im Darm breit machen kann, falls z.B. nach einer Antibiotikakur die Darmflora gestört ist. Candida lebt auf Zucker. Das ist der Grund warum viele Menschen mit Candida nach Zucker gelüsten. Wie bereits oben im Zucker-CLD zu sehen führt Candida zu einem Teufelskreis, welcher nur zu durchbrechen ist, wenn man aufhört Zucker zu konsumieren.

Stress

Auch stress ist ein Faktor, welcher Leaky Gut verursachen kann. Dies geschieht, da Stress Cortisol freisetzt. Cortisol hat eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem, und kann zudem die intestinale Permeabilität begünstigen und Depressionen begünstigen. Und Depressionen führen meist zu noch mehr Stress. Auch hier sehen wir im CLD einen Teufelskreis, welcher angegangen werden muss.

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Chemikalien

Umweltchemikalien wie Fluoride, Chlor, Aluminium und Glycerin sollten wenn möglichst vermieden werden um das Immunsystem zu entlasten.

2018-08-26T19:39:44+00:00

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